Wendlingen am Neckar

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Blick in die Geschichte

Damals die drei selbständigen Orte Wendlingen, Unterboihingen, Bodelshofen - heute die Stadt Wendlingen am Neckar

Ehemals drei selbständige Orte

Die heutige Stadt Wendlingen am Neckar ging aus drei ehemals selbständigen Orten hervor:

Der historischen Stadt Wendlingen, der ehedem reichsritterschaftlichen Ortschaft Unterboihingen und dem ebenfalls über Jahrhunderte hinweg reichsritterschaftlichen Weiler Bodelshofen.

Wendlingen

Wendlingen
Wendlingen

Die historische Stadt Wendlingen bestand von 1230 bis 1805. Sie erhielt ihr Stadtrecht von dem hochadligen Geschlecht der Grafen von Aichelberg. Von diesen gelangte die Stadt durch Heirat und Kauf über die Herren von Lichteneck an die Herren von Wernau. Unter ihnen wurde die Eusebiuskirche erbaut, die heute noch das Bild der Altstadt - Städtle genannt - prägt. Hans von Wernau verkaufte die Burg und die Stadt "mit allem Zubehör" 1545 an das Herzogtum Württemberg. Wendlingen behielt aber sein Stadtrecht und war eingebunden in die landständische Verfassung des Herzogtums.

Auf Grund seines Stadtrechts besaß Wendlingen bis zuletzt (1805) eine Stimme im Landtag von Württemberg, der sogenannten Landschaft. Die bewehrte Umfassungsmauer und der tiefe Stadtgraben, die die Stadt umgaben, waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch erhalten. Dann wurden zunächst die vier Stadttore abgebrochen. Der Ausdehnung stand die mittelalterliche Wehranlage im Weg: Der Stadtgraben wurde zugeschüttet und die Stadtmauer abgetragen. Von ihr sind nur noch wenige Reste erhalten. Wendlingen war vor allem bekannt durch seine Mühlen, die ihre Wasserkraft von einem Kanal der Lauter, dem Mühlbach, bezogen.

Unterboihingen

Unterboihingen
Unterboihingen

Unterboihingen gehörte ebenfalls zum angestammten Besitz der Grafen von Aichelberg und später der Herren von Wernau. 1684 erlosch der Stamm der Herren von Wernau am Unteren Neckar mit dem aus Unterboihingen stammenden Fürstbischof von Würzburg, Konrad Wilhelm von Wernau. Jahrzehntelange Erbstreitigkeiten folgten.

Für kurze Zeit, von 1730 bis 1736, konnte die Mätresse von Herzog Eberhard Ludwig, Wilhelmine von Grävenitz alias Gräfin von Würben, Unterboihingen in ihren Besitz bringen. 1739 erwarb Wilhelm Ludwig Thumb von Neuburg die Herrschaft Unterboihingen. Dies geschah vor allem durch Tausch gegen die Hälfte der Herrschaft Köngen, die er bis dahin besessen hatte. Die Nachfahren aus dem Geschlecht der Thumb von Neuburg sind nach wie vor Eigentümer des Unterboihinger Schlosses.

Unterboihingen war über Jahrhunderte hinweg eine der wenigen katholischen Ortschaften in der näheren und weiteren Umgebung. Das barocke Pfarrhaus, im Todesjahr von Balthasar Neumann 1753 erbaut, kündet noch von der großen Bedeutung der Pfarrei. Von der spätgotischen Kirche zum Hl. Kolumban ist nur noch der untere Teil des Turms erhalten.

Das Schiff wurde 1910 abgebrochen und an gleicher Stelle die heutige Kirche erbaut. Eine historische Kostbarkeit stellt die Kapelle zu "Unserer lieben Frau im Hirnholz" dar, die die ursprüngliche Pfarrkirche zum Hl. Kolumban war. Sie ist eine der wenigen erhaltenen Urkirchen unseres Raumes.

Bodelshofen

Bodelshofen
Bodelshofen

Bodelshofen geht auf ein altes Lehen der Herzöge von Teck zurück. Auch in Bodelshofen waren die Herren von Wernau die bedeutendsten adligen Besitzer des Mittelalters und der frühen Neuzeit. 1740 erwarb Franz Gottlieb von Palm den Weiler. Das dortige Hofgut befindet sich nach wie vor im Besitz der Nachfahren - nun "von Massenbach" - aus dem Geschlecht der Palms.

Das Gesicht des Weilers, der 1829 Teilgemeinde von Wendlingen wurde, wird insbesondere durch die Jakobuskirche geprägt, die an die bedeutende Jakobuswallfahrt nach Santiago de Compostella erinnert. Erst 1934 verlor Bodelshofen seine Selbständigkeit vollständig und wurde nach Wendlingen eingemeindet.

Am 01. April 1940 wurde die Zusammenlegung der Gemeinden Wendlingen und Unterboihingen rechtskräftig. Sie erfolgte durch den damaligen Reichsstatthalter von Württemberg, Wilhelm Murr. Als Namen bestimmte er "Wendlingen am Neckar". Die neue Gemeinde entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in der weiten, bis dahin fast unbebauten Talaue zwischen den ehemaligen Gemeinden, dann erfolgte die Bebauung an den Hängen.

Gleichzeitig erfolgte der Aufbau einer neuen Infrastruktur, beginnend mit dem Bau des neuen Rathauses 1957 bis 1959. Am 15. Dezember 1964 wurde der Gemeinde Wendlingen am Neckar durch Beschluss der Landesregierung die Bezeichnung "Stadt" verliehen.

Literatur

Weiterführende Literatur zur Stadtgeschichte können Sie direkt online bestellen. 
Sie erhalten diese Schriftstücke auch beim Bürgerbüro im Rathaus und im örtlichen Buchhandel.

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